cannabis background macro close up

Nutzpflanze

Ob als Papier, moderner Werkstoff oder als Nahrungsmittel:

Die Hanfpflanze ist auch unabhängig von ihrer berauschenden Wirkung vielseitig einsetzbar.

Jahrzehntelang hat Cannabis vor allem als Rauschmittel von sich reden gemacht. Dabei handelt es sich um eine uralte und sehr vielseitige Nutzpflanze, die sich zu den verschiedensten Zwecken einsetzen lässt. An die 50.000 verschiedenen Produkte sind aus Hanf herstellbar, darunter Baumaterialien und Moderne Werkstoffe kann man daraus ebenso gewinnen wie Nahrungsmittel oder Textilien. Nach dem Verbot des Hanfs wächst das Interesse an solchen Anwendungen nun wieder und auch der medizinische Einsatz soll für Patienten künftig leichter möglich sein.

Hanf kann viel ersetzen?

An die 98% des grünen Multitalents lassen sich auf die eine oder andere Weise nutzen. Am häufigsten aber finden derzeit die Fasern der Stängel Verwendung, die durch Brechen oder Walzen vom Rest der Pflanze getrennt werden.

Der wichtigste Abnehmer für Hanffasern ist die Papierindustrie auf Platz zwei der wichtigsten Abnehmer für Hanffasern folgt heutzutage die Bauwirtschaft, denn daraus lassen sich verschiedene Dämmstoffe für Gebäude herstellen. Auch die Textilindustrie wirbt häufig mit dem hohen Tragekomfort von Kleidungsstücken, die aus diesen Fasern hergestellt sind. In diesem Bereich ist Hanf eine Alternative zur allgegenwärtigen Baumwolle. Der Vorteil der Cannabisfasern ist dabei ihre größere Haltbarkeit und Reißfestigkeit. Damit hat das Material schon in früheren Jahrhunderten gepunktet. Lange war Hanf das wichtigste Material für Seile und Segeltuch in der Schifffahrt. Und der Jeans-Erfinder Levi Strauss hat die erste seiner strapazierfähigen Hosen wohl auch nicht zufällig aus Hanf gefertigt.

Neue Anwendungen  etwa im Bereich der Naturfaser verstärkten Kunststoffe. So entfallen heute rund 15 Prozent des Hanffaser-Marktes auf die Automobilindustrie, Interessant ist hier neben der schlechten Entflammbarkeit und der Anti-Schimmel-Wirkung auch das Verhalten des Materials bei Unfällen: Wenn Stücke abbrechen, entstehen keine scharfen Schnittkanten, was die Verletzungsgefahr verringert.

Warum kam es zu einer Reduzierung der Hanfnutzung

Hanf war in früheren Jahrhunderten ein extrem wichtiger Rohstoff, der allerdings in den einzelnen Einsatzbereichen aus verschiedenen Gründen aus der Mode kam. Einen regelrechten Boom erlebte der Anbau vor allem im 17. Jahrhundert, weil die Schifffahrt einen enormen Bedarf an Seilen und Segeltuch hatte. Um ein normales Segelschiff auszurüsten, brauchte man zwischen 50 und 100 Tonnen Hanffasern.

Ähnliche Entwicklungen gab es auch in anderen Bereichen. So ist die Herstellung von Papier aus Hanf eine uralte Technik, die schon vor mehr als 2000 Jahren in China bekannt war. Die erste Papiermühle im heutigen Deutschland nahm immerhin bereits 1290 in Nürnberg ihren Betrieb auf.

Gutenberg-Bibel | Hanfpapier gilt als besonders widerstandsfähig. Etliche darauf gedruckte oder geschriebene historische Dokumente sind daher bis heute verhältnismäßig gut erhalten – wie etwa die Gutenberg-Bibel von 1455.

Image-Problem als Drogenpflanze im 20. Jahrhundert

Wegen des berauschenden Inhaltsstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) wurde der Anbau in vielen Ländern für illegal erklärt. Seit 1996 dürfen für die Drogenproduktion ungeeignete Pflanzen mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent unter bestimmten Auflagen wieder wachsen. Die EU hat inzwischen mehr als 40 Sorten zertifiziert, die diese Voraussetzung erfüllen und sich zudem durch einen besonders hohen Fasergehalt auszeichnen.

Auch in anderen Regionen Europas ist Cannabis heutzutage nicht mehr eine Nischenpflanze. Die wichtigsten Anbauländer sind dabei Frankreich, Großbritannien und die Niederlande. Für 2014 meldet die EIHA  einen Anstieg auf 18 300 Hektar, von denen allerdings nur 486 Hektar in Deutschland lagen. 2015 gab es in Europa mit mehr als 22 000 Hektar sogar die größte Anbaufläche seit 30 Jahren. Die Organisation führt den Rekord vor allem auf eine steigende Nachfrage nach Samen für den Lebensmittelmarkt und nach dem Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) für die Medizin zurück. Doch auch das größere Interesse an Fasern habe eine Rolle gespielt.

Ansätze zur medizinischen Verwendung

Cannabis ist eine sehr alte Heilpflanze, die seit Jahrtausenden gegen die verschiedensten Beschwerden eingesetzt wird. Heute stehen vor allem zwei ihrer Inhaltsstoffe im Zentrum des medizinischen Interesses.

Das bekannteste dieser so genannten Cannabinoide ist Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), das 1964 zum ersten Mal von Wissenschaftlern des Weizmann-Instituts für Wissenschaften in Israel isoliert wurde.

Der zweite medizinisch interessante Wirkstoff des Hanfs ist das schwach psychoaktive Cannabidiol (CBD), das krampflösend und entzündungshemmend wirkt und sich auch gegen Übelkeit und Angstzustände einsetzen lässt.

Dazu soll beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn eine spezielle „Cannabis-Agentur“ angesiedelt werden.

Gerade bei der Behandlung von schweren Krankheiten wie Krebs und Multipler Sklerose haben Cannabispräparate schließlich große Hoffnungen geweckt, viele Mediziner berichten von guten Erfahrungen damit. Wie die Verbindungen im Einzelnen wirken, ist allerdings noch immer nicht genau geklärt.

Hanfanbau als umweltfreundliche Alternative

Im Vergleich zu anderen Nutzpflanzen ist Hanf ein relativ anspruchsloses und robustes Gewächs. Deshalb sind für seinen Anbau keine umweltschädlichen Chemikalien nötig. Nach der Saat aber wächst der Konkurrenzstarke Hanf so rasch und dicht heran, dass in seinem Schatten kaum etwas anderes gedeiht. Eine weitere Unkrautbekämpfung ist daher nicht nötig. Vor allem im Vergleich zum sehr pestizid intensiven Baumwollanbau sammelt Hanf hier einige Umwelt-Pluspunkte.